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KOLOSSEUM NAZIONALE ITALIA FUTURO PROGETTO ITALIA MED IN ITALY
Wolfang Neustadt
VORFREUDE, Bulletin und Newsletter zur Verlagsarbeit der Majuskel Medienproduktion GmbH, Sommer 2012

In Italien geht es ums Eingemachte, nicht nur finanzpolitisch. 44 UNESCO-Weltkulturerbesttten mssen konserviert werden. Damit hlt Italien den Weltrekord. Was angesichts des wesentlich hheren italienischen Gesamterbes gering anmuten mag, verglichen mit den 34 deutschen Weltkulturerbesttten.
Das Kolosseum ist das Flaggschiff der italienischen Armada, ein Symbol fr groe antike Geschichte, fr beispielhafte Kultur mit politisch intendierter Architektur und Kunst.Aber auch fr Luxus, Perversion und Sklaverei. Ikonografisch kann vergleichsweise das Brandenburger Tor da nicht mithalten, auch wenn dessen letzte Restaurierung nach der Wiedervereinigung ebenfalls streitbehaftet war. Es ist jedoch konservatorisch bei weitem besser in Schuss, und das wirtschaftliche Umfeld war noch entspannter. Das Kolosseum hingegen musste zunchst einfach weiter brckeln drfen.
Nun aber sollte doch definitiv Schluss sein mit dem Zerfall. Anlsslich der endgltigen Projektierung der Restaurierungsmanahmen aber lassen sich jetzt schleichende sozio-kulturelle Prozesse fokussieren, die so nicht nur fr Italien gelten. Gesellschaftlich relevante Fragen zur finanziellen Trgerschaft von Kunst und Kultur stehen dabei zur Diskussion. Die ffentlichen Haushalte dieser Ressorts hatten im Zuge der Finanzkrisen und der aktuellen Reformen besonders zu leiden, und es wird weiterhin sprbar enger.
So einigten sich Roms Brgermeister Gianni Alemanno (PdL) sowie das nationale Kultur- und Kunstministerium MiBAC bereits 2010 auf den teuflischen Knigsweg eines Sponsorenwettbewerbs. Drei Bieter bewarben sich: Ryanair, Finit und Diego Della Valle,
dessen Leder-Luxuslabel Tods auch hier bekannt ist.
Della Valle bot auf einen Schlag die komplette Restaurierungssumme von 25 Millionen Euro und erhielt den Zuschlag.Der Vertrag wurde Anfang 2011 unterschrieben.
Der Baubeginn war zunchst fr September 2011 vorgesehen und steht nun in Krze wirklich an. Man rechnet mit einer Gesamtbauzeit von 2 bis 3 Jahren.
Della Valles Bedingungen muteten dabei neuartig an, weil er keinesfalls in Planung, Ausschreibung oder Bauberwachung eingebunden sein wollte. Der Staat sollte planungs- und sanierungstechnisch allein verantwortlich bleiben.Und er erklrte auch den Verzicht
auf jede sichtbare Produktwerbung am Objekt: Ihr werdet keine Schuhe oder Taschen unserer Marke am Kolosseum hngen sehen. Die Rechte an der nationalen
Ikone wollte er jedoch mindestens 15 Jahre lang alleine nutzen und verwalten drfen. Er habe als italienischer Staatsbrger das Interesse und die Pflicht, ein weltweit bekanntes Baudenkmal zu erhalten, das Italien in der Welt reprsentiert.
Das Unterfangen wurde weithin als nationales Ereignis gefeiert. Eine direkte aktuelle Verbindung Della Valles zu Berlusconis Bewegung popolo della libert (Volk der Freiheit) kann nicht unterstellt werden,wenn er auch vor Zeiten einmal gute Verbindungen dahin hatte. Der nationale Tenor gehrt generell zur italienischen Kulturlandschaft.
Mit Della Valles Offerte schien die Erlsung aus dem Dilemma der Kunst- und Kulturfinanzierung aber nur fr Ungebte greifbar nahe. Diese Form privaten Sponsorings bekam, gelobt als neues Mzenatentum (Alemanno), im Handumdrehen ihre hheren Weihen fr weitere drngende, noch weitaus kostenintensivere Sanierungen, wie die von Pompeji, Florenz, Mailand und von Venedigs Canale Grande. Della Valle nmlich
zeigte unverzglich seine Geneigtheit auch fr Pompeji an, indem er sich zum Promoter einer neapoletanischen Unternehmerinitiative machte. Gleichzeitig sollte unter dem kernigen Slogan progetto Italia (Projekt fr Italien), den er kreierte, ein Sponsorenruck durch Italiens Unternehmertum gehen. Als Industriellenbewegung auch schon mit Blick auf Roms Olympiakandidatur fr 2020. Und um die Verteidigung des dahinsiechenden med in Italy geht es ihm ebenso. Wenigstens auf dem Industriegebiet Tourismus und Kultur soll Italien wieder Weltmarktfhrer werden. Kein abgedroschener Spruch ist ihm zu schade: Frag nicht, was dein Land fr dich tut, sondern was du fr dein Land tun kannst.
Das ist so natrlich beileibe keine reine Wohlttigkeit. Der Aufwand zielt durchaus auf Ertrag ab. Er ist selbstverstndlich verbunden mit der Forderung nach Steuererleichterungen. Und er lauert auch auf die zumindest partielle Aneignung ffentlichen Vermgens.
Luca di Montezemolo (Ferrari) fuhr dazu seine Denkfabrik Italia Futura (Italien der Zukunft) auf, diffus positioniert gegen den politischen Stillstand, vorgeblich gegen die Unttigkeit des Berlusconi-Systems sowie das Gemetzel der zweiten Republik.
Sie blieben in der Schlacht der Slogans nicht alleine. Antonio Di Pietro, Kopf der nur scheinbar hnlich lautenden Partei Italia dei valori (Italien der Werte), stemmte sich bald als frher einsamer Rufer deutlich gegen die dahinter stehenden, eigentlichen Ideen. Sein
Slogan Beni culturali = beni comuni (Kulturgter = Gter der staatlichen Gemeinschaft) opponierte gegen den durch Maxisponsoring drohenden kulturellen Ausverkauf, gegen die Fehlleitung ffentlicher Kompetenzen sowie die solchermaen angeheizte Privatisierung
von Italiens ffentlichen Kulturgtern.
Je nher 2011 die ersten Ausschreibungen und der geplante Baubeginn rckten, desto strker erhitzte sich die Diskussion um die Form des Sponsorings. Die Verbraucherschutzvereinigung Condacons legte Einspruch ein gegen das Sponsoren-Auswahlverfahren beim regionalen Verwaltungsgericht TAR (Verwaltungsgericht) der
Region Lazio. Auch Italiens Antitrustbehrde uerte Bedenken aufgrund vermeintlicher wettbewerbsrechtlicher Verste: Die Ausschreibung wre nicht in der angemessenen Breite und ffentlichkeit erfolgt. Ferner htten nach dem Eingang von Della Valles Angebot die zwei brigen Bieter nicht ausreichend Zeit bekommen, ihre Angebote gegen Della Valle nachzubessern. Das nationale Kulturministerium MiBAC lie den Einspruch
des Antitrust nicht unwidersprochen. Schlielich zog dieser seine Zweifel zurck und auch das TAR vertagte im April 2012 seine Entscheidung.
Zum Thema Kolosseum-Sponsoring traten des Weiteren noch der Kultur Arbeitgeberverband Confcultura, die gewerkschaftlich jeweils unterschiedlich organisierten Restauratorenvertretungen und der italienische Restauratorenverband ARI mit eigenen Anliegen auf. Eine alles zusammengenommen hierzulande gewhnungsbedrftige wie lehrreiche Kost.
Der Restauratorenverband befrchtete bei der definitiven Ausschreibung den Ausschluss seiner Klientel durch die Vergabe spezifischer Restauratorenleistungen vorrangig an Baufirmen bzw. Maurer. Von dem fr reine Restaurierungen bzw. Konservierungen vorgesehenen Betrag von 7 Millionen Euro, reklamierte er, stnde eigentlich nur 1 Million Euro fr die Erhaltung des wirklich restauratorisch anzugehenden baulichen Dekors zur Verfgung, alleine 4 Millionen Euro wren fr entsprechende Dokumentationen vorgesehen. Hintergrund bildete der berufsstndisch begrndete Verdacht des Verbands, da sich das hier so zum Ausdruck kommende geringschtzige Denkmalkonzept in Zukunft auf jede Steinsanierungsmanahme reduzieren lassen knnte, wodurch die Exellenzprofessionalitt der italienischen Restaurierung kompromittiert wrde.
Dieses bergreifende politische Interesse gehrte zu den Forderungen der gewerkschaftlich geforderten und gesttzten Restauratorenreform, die jedoch mit den zurckliegenden Wirren in den parlamentarischen Katakomben versunken war, aber nun im April pltzlich doch wieder als neuer Entwurf auf dem Tisch lag. Ein wesentlicher, konkreter Kernpunkt des Reformansatzes lag darin, da sich die vielen freien italienischen
Restauratoren seit Jahren dem massiven Preisdruck groer Baufirmen ausgesetzt sehen, die mit fehlenden Sicherheitsstandards, Dumpinglhnen und geschickter Frauendiskriminierung operieren.
Auch der ARI rief den TAR Lazio an, der die Angelegenheit an die nchsthhere Instanz Consiglio di Stato weiterreichte. Die Eingabe wurde dort dann mit der Begrndung abgewiesen, die in Frage kommenden rechtlichen Vorschriften OG2 (fr generische Bauleistungen) und OS2 (fr Restauratorenleistungen) wren beschrnkt auf mobiles Kunstgut sowie architektonische Dekorflchen und bezgen sich nicht auf allgemeine (historische) Oberflchen wie zum Beispiel Putze. Das Kolosseum aber bestnde berwiegend aus Travertinsteinflchen und fiele somit unter die Kategorie OG2.
Die Vorgnge werfen erneut auch ein Licht auf die in Italien traditionellen brokratischen Kompetenzstreitigkeiten und Eiferschteleien, hier nun einmal in kulturellen Dingen. Dafr sollte eigentlich kein Raum sein, denn handelt es sich bei ministeriellen Baustellen (hier: Oberleitung Kulturministerium MiBAC) nicht bereits um staatshoheitliche Belange?
Wo es wirklich etwas zu verteilen gibt, ist dann auch die Camorra (so in Pompeji) nicht weit was ebenso offen wie notorisch folgenlos notiert wird.
Die eigentlich magebliche Interessenslage aber hat mit alledem eher wenig zu tun: Investoren und Arbeitgeber wnschen freie Bahn mit deregulierender berlassung des Kulturguts,wo es eintrglich zu werden verspricht. Wie eben in Pompeji oder Venedig.
So vernimmt Primo Ministro tecnico, ad interim Monti wohlgefllig, da der Staat sich aus der Kulturzustndigkeit zurckziehen darf. Schon die unter Berlusconi begonnene Teilveruerung des nationalen, auch kulturellen Staatsbesitzes (demanio, u.a. bedeutender ffentlicher historischer Baubestand), zunchst an die Regionen und Kommunen, in letzter Konsequenz dann an Private, hatte nur eines im Blick: Schuldenabbau durch Substanzabbau, Staatsrckzug und Privatisierung, Neoliberalisierung mithin. Dabei hat sich als politisch hilfreich erwiesen, wenn es unter nationalen Bannern geschieht.
So geht die Schere auf zwischen den einen, die das Kolosseum vorerst noch restaurieren und besichtigen knnen (und drfen) und den anderen, die den nationalen Einheitsgedanken beschwrend die Kapitalisierung ffentlicher Kulturgter im Namen von Liberalisierung und ffentlichem Kulturentzug betreiben. Die nutzungsrechtliche Verwertung der solchermaen privatisierten ffentlicher Gter wird zum darauf folgenden Abenteuer, dessen Regulierung dem freien Spiel der Krfte in zivilrechtlichen, juristischen
Auseinandersetzungen anheim gestellt ist.

Wolfgang Neustadt M.A.

http://digitalakrobaten.de


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