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Teilnahme am Interessenbekundungsverfahren des Bayerischen Staatsministeriums fr Wissenschaft, Forschung und Kunst, Rothenburg
2011-03-06
Stadt Rothenburg ob der Tauber, Stadtrat mit Oberbrgermeister Hartl
Mail alla Redazione del 4-3-2011

Rothenburg ob der Tauber, 28.2.2011

Beschreibung der Sttte.
Rothenburgs einzigartige Identitt bringt schon der Zusatz ob der Tauber zum Ausdruck. Unverwechselbar ist die Lage auf der stlichen Randhhe des sechzig Meter tiefer gelegenen Tales der Tauber. Der klassische Rothenburg-Blick bietet sich von der westlichen Randhhe, die der hoch gebauten Stadt gegenber liegt. Dieses bis heute unvernderte Bild hat Rothenburg von alters her den Beinamen Frnkisches Jerusalem eingebracht (Caspar Bruschius 1559). Als groes, ausgedehntes Denkmal verkrpert Rothenburg die Geschichte eines wehrhaften mittelalterlichen Stadtstaates.
Das Stadtbild wirkt sowohl durch eine Vielzahl einzelner Baudenkmler die Denkmalliste umfasst deren 718 als auch durch die Geschlossenheit seiner Komposition. Mitte des 12. Jahrhunderts errichteten die Staufer auf einem von der Tauber umflossenen Bergvorsprung eine Burg, die zum Ausgangspunkt der Siedlung wurde. Die befestigte Stadtanlage aus dieser Zeit ist deutlich zu erkennen. Mehrere Erweiterungen vergrerten die Stadt, die mit ihrer Ummauerung um 1370 praktisch abgeschlossen wurde. Diese Ausbausituation ist bis heute unverndert geblieben.
Gleiches gilt fr herausragende Gebude der Stadt. Der Bau der Jakobskirche beginnt im Jahre 1311 und dauert bis 1484. Beispiele fr die Bedeutung der Kirche auch als Wallfahrtsort sind der Heilig-Blut Altar von Tilman Riemenschneider (1504) und das Hochaltarretabel von Friedrich Herlin (1466).
Rathaus und Ensemble des Marktplatzes suchen unter den deutschen Stdten
ihresgleichen. Beispiele fr weitere Glanzlichter sind der gut erhaltene Spitalbezirk und die Zeugnisse jdischer Vergangenheit, speziell die im deutschsprachigen Raum einzige mittelalterliche Judengasse. Das Leben und Wirken des Rabbi Meir Ben Baruch setzt hier einen bemerkenswerten Akzent, rckt es doch Rothenburg ins Zentrum europischer Gelehrsamkeit.

Begrndung der auerordentlichen universellen Bedeutung.
Rothenburg ob der Tauber ist ein hervorragendes Beispiel fr die im 14. Jahrhundert in Mitteleuropa entstehende Stadtkultur. Das Stadtbild und der Aufbau der fr die damalige Zeit typischen Siedlung sind bis heute so erhalten, wie sie sich ursprnglich entwickelt haben. Eine Besonderheit der Freien Reichsstadt Rothenburg war die enge Verknpfung der Stadt mit dem Umland (Landhege). Rothenburg war Schutzmacht fr die umgebende Landbevlkerung und Handelsplatz fr die Produkte einer ergiebigen Landwirtschaft.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde die Stadt Teil Bayerns. Die neuen staatlichen Strukturen lieen Rothenburg in eine Randlage geraten. Die Stadt verlor ihre frhere wirtschaftliche Bedeutung - was mit Grund dafr ist - dass sich die Stadt ihre alte Bausubstanz ungewhnlich gut erhalten hat. Die etwas abseitige Lage in Bezug auf die Entwicklung modernen Verkehrs, besonders der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert, begnstigte den Erhalt der Stadt im denkmalpflegerischen Sinne. Dafr wurde Rothenburg bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Tourismusziel fr
Englnder und Franzosen. Zur gleichen Zeit entdeckten die Maler die romantischen Winkel der Stadt und wurden davon angelockt. Beispiele sind: Moritz von Schwind, Ludwig Richter, Carl Spitzweg, Hans Thoma und Wassily Kandinsky. Diesen folgten die Literaten, die dichterische Werke auch in Rothenburg ansiedelten. Hier sind zu nennen: Eduard Mrike, Wilhelm Raabe, Paul Heyse, Gerhard Hauptmann oder Leonhard Frank.
Besucher aus allen Lndern werden von der als mittelalterliches Kleinod bekannten Stadt angezogen. Weltweite Bedeutung findet Ausdruck auch in Besucherzahlen. Dabei handelt es sich um Gste, die in Rothenburg bernachtet haben, um die Stadt intensiv zu erleben. So kamen im Mittel der letzten 20 Jahre pro Jahr rund 75.000 Besucher aus Japan, 50.000 Gste aus den USA und 80.000. Touristen aus anderen Lndern. Hinzu kommen 200.000 bernachtungsgste aus Deutschland. Zustzlich werden die Kurzbesucher aus aller Welt und Deutschland auf jhrlich ber zwei Millionen geschtzt. (Quelle Rothenburg Tourismus Service).

Erklrung der Unversehrtheit und/oder Echtheit.
Der Kunsthistoriker Georg Dehio stellt bereits 1874 fest: Nrnberg ist groartig, prchtig, eindrucksvoll wie keine andere Stadt die Gesamtansicht ist in Rothenburg einheitlicher und echter, sie ist absolut einheitlich und echt.
Seit dieser Zeit hat sich die Welt zwar in allen Lebensbereichen umfassend gewandelt.
Aber das Stadtbild von Rothenburg ist trotz Kriegsfolgen, Wiederaufbau und Verkehrsbelastung im Ganzen praktisch unverndert. Nach den Zerstrungen des 2. Weltkrieges mit Schwerpunkt im stlichen, historisch weniger bedeutenden Teil Rothenburgs wurden die mittelalterlichen Strukturen bewusst erhalten. Der beispielhafte Wiederaufbau erfolgte, abweichend von anderen Orts blichen Mustern, unter Beibehaltung
der Gassenbreite und der ursprnglichen Gebudezuschnitte mit einer zurckhaltenden Architektursprache. Auf eine Anpassung an zunehmenden Verkehr wurde verzichtet. So wurden Parkflchen nicht in der Altstadt neu geschaffen, sondern die Besucher werden auf die auerhalb der Stadtmauer angelegten Parkpltze verwiesen.
Die Wehrhaftigkeit und das unverwechselbare Stadtbild sind geprgt durch die lckenlos erhaltene Stadtmauer samt begehbarem Wehrgang mit ihren rund 30 Trmen, Bastionen, Banketten und Schiescharten. Die Verteidigung der Stadt nach den Mastben der damaligen Zeit wre bis heute ohne Vernderung der Anlagen mglich.
Unversehrtheit und Echtheit der Hhepunkte des Stadtbildes findet besonderen Ausdruck in den Kirchen: St. Jakob mit altem Gymnasium, der Franziskanerkirche, Heilig Geist, St. Johannis mit Johanniterkomturei, der Schferskirche, integriert in die Klingentorbastei und im Tal gelegen - St. Maria von Kobolzell.
Einen besonderen Glanzpunkt stellen Rathaus und das Ensemble des Marktplatzes dar. Der weitgehend ursprnglich erhaltene Spitalbezirk einschlielich Schafscheune und Rossmhle muss ebenfalls erwhnt werden. Im unmittelbaren Auenbereich sind die Doppelbrcke, das Topplerschlsschen und zahlreiche, zu Rothenburg gehrenden Mhlen zu nennen.

Vergleich mit anderen hnlichen Orten.
Bambergs Altstadt wurde 1993 zum Weltkulturerbe erklrt. Sie ist weitgehend ursprnglich erhalten. Die Denkmalliste umfasst ber 1.000 Objekte. Monumentalbauten des 11. bis 18. Jahrhunderts bilden die Grundstruktur. Das Stadtensemble, umflossen von der Regnitz, bietet Glanzpunkte wie Dom, Alte Hofhaltung, Rathaus oder die Huserzeile Klein Venedig. Letztere vergleichbar mit dem Rothenburger Plnlein. Bamberg ist in Anlage und Bausubstanz als Sitz eines geistlichen Frstentums von Geist und Wesen einer klerikal geprgten Residenz beeinflusst. Kirchen, Schlsser und Adels- oder Domherrenhfe bestimmen das Bild der Stadt.
Die Welterbesttte Quedlinburg (seit 1994) hat sich, wie Rothenburg, von einer Burg aus entwickelt, es ist ein Zusammenschluss mehrer Siedlungen.
Lange war Quedlinburg knigliche Osterpfalz und Damenstift. Kleinod der Stadt ist die romanische Stiftskirche St. Servatius. Die 1.300 Fachwerkhuser aus 6 Jahrhunderten waren whrend der DDR- Herrschaft dem Verfall berlassen. Die fr Rothenburg typische Ummauerung ist nicht vorhanden. Der Ausbau der Stadt mit ihren Fachwerkhusern erfolgte nach dem 30jhrigen Krieg, Die Stadtbrnde 1676 und 1797 zerstrten viel von der ursprnglichen Substanz. Schon 1698 verlor die Stadt ihre Selbststndigkeit, Preuen wurde Schutzmacht.
Die 2006 zur Welterbesttte erklrte Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof
ist Beispiel fr eine intakte mittelalterliche Grostadt. Sie entspricht der Ausdehnung Regensburgs nach der Stadterweiterung um 1320 und umfasst 984 Einzeldenkmale. Whrend Rothenburg Rastpunkt auf der Pilger- und Handelsstrae von Nord- nach Sdeuropa und Umschlagplatz fr landwirtschaftliche Produkte wie Wolle und Wein war, hatte Regensburg durch Fernhandel mit Ost- und Westeuropa und Venedig Bedeutung. Ein weiterer Kontrast ist der klerikale Einfluss als Bischofssitz, der in Rothenburg vllig fehlt.
Auer den bereits genannten, besteht ein wesentlicher Unterschied im zugehrigen Umland. Im 15. Jh. wurden die 163 zu Rothenburg gehrenden Drfer mit einem bewachten Schutzwall umgeben. Das ber 400 km groe Gebiet wird als Landhege bezeichnet und ist eines der grten Territorien reichsunmittelbarer Stdte der damaligen Zeit. Zeugnisse dieser Anlagen sind bis heute erhalten, ebenso wie viele Mhlen, deren hohe Standortdichte und breite Funktionsvielfalt als singulr anzusehen sind.

Text: Stadt Rothenburg ob der Tauber, Stadtrat mit Oberbrgermeister Hartl.




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